Dienstag, 10. Dezember 2013

Ein Weihnachtskonzert der anderen Art mit "Camerata" aus Weißrussland

Chorgesang der anderen Art: Der Chor Camerata aus Weißrussland. 
Außergewöhnliche Klangwelten eröffneten sich am 8. Dezember in der Eschauer Epiphaniaskirche. Wer sich vorgestellt hatte, dass beim Konzert des aus Weißrussland stammenden Chores Camerata Melodien a la Don Kosaken erklingen oder zu Herzen gehende Weihnachtslieder geschmettert  würden, wurde spätestens nach dem ersten Vortrag eines Besseren belehrt.  Viele Chorsätze waren der zeitgenössischen Musik zugeordnet. Das allerdings technisch und künstlerisch perfekt. Hin und wieder kam der Charakter eines Adventskonzerts zum Vorschein, denn es waren auch tief berührende weihnachtliche Weisen im Repertoire enthalten.

Lichtreflexe tauchten den Altarraum der Kirche in Blau-, Rot- und Grüntöne. Das Sextett, bestehend aus drei Sängern und drei Sängerinnen, stand nicht wie in Stein gemeißelt auf einem Fleck.  Die Chormitglieder wanderten bei den Vorträgen umher und gruppierten sich immer wieder anders.  Viele Arrangements erinnerten an die Swingle Singers, die klassische Stücke von Mozart und Bach im Scat-Gesang ohne jegliche Instrumentalisierung interpretierten. Allerdings waren die exotisch anmutenden Chorbeiträge des Camerata-Chores Eigenkompositionen, zumeist aus den Federn von Olga Vorobieva und Alexandre Dovnar geflossen. Die ohne Zweifel virtuos vorgetragenen Chorsätze waren der Geräuschkulisse in der Natur nachempfunden,  gut nachvollziehbar in den ersten beiden Titeln „Snow“ und „Near the Grove“, wo sich in der Tat völlig neue Klangwelten des Ensemble-Gesangs auftaten.



Was Camerata mit den Swingle Singers verbindet,  ist eine enorm leichte, flexible, schnelle und präzise Intonation und Stimmführung, bei der den einzelnen Stimmlagen eine bestimmte Aufgabe übertragen wird. Bass, Tenor, Alt und Sopran vereinen sich in  einem Klanggemälde, wobei die Ober- und die Unterstimmen wechseln und sich dem Ohr des Zuhörers  die unterschiedlichsten Tonkombinationen offenbaren. Gerade bei bekannten Melodien wie beim Jazz-Standard „They can‘t take it away“ offenbarte sich die stimmliche Virtuosität. Wahrscheinlich vom Arrangeur beabsichtigt war der „Satchmo“-Effekt, wo der legendäre Louis Armstrong mit seiner rußigen und rauchigen Stimme gesanglich wiedergeboren wurde.



Die „Moskauer Nächte“, von Alexandre Dovnar arrangiert, gewannen durch die außergewöhnliche Stimmführung völlig neue Tonstrukturen, und der mitreißende Samba „Mas Que Nada“ begeisterte durch außergewöhnliche Modulation. Gerade die Mischung aus traditioneller, populärer und zeitgenössischer Musik machte das Konzert so abwechslungsreich und hob sich von den üblichen Adventskonzerten ab. Es war sicherlich nicht jedermanns Geschmack.  Wer die Veranstaltungen der Aschaffenburger Eventmanagerin Birgitte Funk kennt, weiß, dass man sich bei ihren Konzerten auf etwas Besonderes und Außergewöhnliches außerhalb des Massengeschmacks einstellen muss und sich darauf einlassen sollte. Qualität ist auf jeden Fall geboten.


Das  wunderschön gesungene „Ave Maria“ von Bach oder der in harmonischer Klangfülle intonierte Gospel- Song „Mary’s Boy Child“ versöhnte dann doch den ein oder anderen Zuhörer, der eine völlig andere Erwartungshaltung beim Betreten der Kirche hatte. An der künstlerischen Qualität des Konzerts gab es sowieso nichts auszusetzen.