Dienstag, 1. Mai 2018

Asperger Autismus hat viele Gesichter


Asperger-Autisten haben eine eigene Welt und eine ganz andere Sicht der Dinge. 
(c) Can Stock Photo / Bialasiewicz 
Es ist schon fast ein Jahr her, dass ich mich intensiv mit dem Thema Asperger befasst habe. Eine liebe Freundin, die ich schon lange kenne und aus den Augen verloren hatte, ist mir in diesem Zusammenhang wieder begegnet. Es war schwer Betroffene für ein Interview zu gewinnen. Andrea Schmitt hat einen Sohn, der dieses Handicap hat. Sie war bereit, in die Öffentlichkeit zu gehen, um auf diese Art der Behinderung aufmerksam zu machen, die gar nicht so selten ist.

Eine Odyssee bis zur klaren Diagnose

Das Verständnis der Umwelt für Menschen mit Asperger ist gering bis gar nicht vorhanden. Der Grund: Die Behinderung ist ihnen nicht anzusehen, aber ihr Verhalten unterscheidet sich von dem der Mehrheit. Der zwölfjährige Simon aus Elsenfeld erscheint auf den ersten Blick als aufgeweckter und fröhlicher Junge. Dennoch, er ist behindert, denn er ist ein Asperger Autist. Wer seine Behinderung annimmt und auf ihn eingeht, kommt blendend mit ihm aus. Wer kein Verständnis hat und nicht erkennt, wie Simon tickt, wird Probleme haben. Verhaltensmuster, die der Norm entsprechen, laufen bei dem Zwölfjährigen ins Leere.

Oft durchlaufen Betroffene eine Odyssee, bevor die Diagnose klar ist. In vielen Fällen wird eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Die Symptome von ADHS sind bisweilen auch eine Begleiterscheinung des Asperger-Syndroms, aber nicht immer. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen, mal mit leicht autistischen Zügen, mal mit starker Ausprägung.

Simons Jugend ist zugleich auch sein Vorteil, denn er hat bereits als Kleinkind die Förderung erhalten, die älteren Asperger-Autisten nicht zuteil wurde. Die Diagnose war auch schon frühzeitig klar. In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Die Fördermöglichkeiten sind im Rahmen der Inklusion besser geworden, wenn auch noch lange nicht optimal, wie Andrea Schmitt, Simons Mutter, meint. Simon besucht derzeit die sechste Klasse der Realschule in Elsenfeld und hat eine Schulbegleiterin zur individuellen Betreuung während des Unterrichts.

Mutter und Sohn verstehen sich gut. Andrea Schmitt weiß,
wie sie mit Simons Behinderung umgehen muss.

Asperger Inselbegabungen

Die Menschen, die sich auf Simon einlassen, sind seine Freunde, von denen er sich auch berühren und umarmen lässt. Er legt großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene, Geräusche machen ihn nervös, wenn er sie nicht zuordnen kann. Er kontrolliert zu Hause die Lebensmittel und möchte sie am liebsten schon vor dem Ablaufdatum entsorgen. Wenn ihn etwas interessiert, dann ist er voll und ganz bei der Sache, zum Beispiel liebt er Englisch als Schulfach und ist entflammt fürs Prozentrechnen, bei dem er als As brilliert.

Seine Formulierungen in Kommentaren zu bestimmten Ereignissen bringen seine Mutter und andere Menschen immer wieder zum Lachen. Als er morgens beim Frühstück das Ei vermisste, sagte er enttäuscht: »Mama, Frühstück ohne Ei ist wie eine Lampe ohne Licht und ein Haus ohne Bausteine«. Simon liebt Jahrmärkte und Vergnügungsparks, vor allen Dingen die Fahrgeschäfte. Daraus ergibt sich auch einer seiner Berufswünsche. Er möchte Konstrukteur für Fahrgeschäfte werden. Die Alternativen sind Spieleprogrammierer und Kassierer. Als begeisterter Bayern-München-Fan hat er sich dann noch Profi-Fußballer als Berufswunsch ausgewählt.

Weitere Informationen und Tipps für Betroffene in der Region gibt es unter der Internet-Adresse www.aspergereltern-untermain.de und beim Jugendamt im Landratsamt Miltenberg, Andrea Schäfer, Dipl.-Sozialpädagogin (FH), E-Mail: andrea.schaefer@lra-mil.de.

Was ist Asperger-Autismus? - Eine Zusammenfassung

Das Asperger-Syndrom ist eine Form des Autismus und eine neurologische Besonderheit. Diese Behinderung beeinflusst die Art und Weise, wie Menschen Reize verarbeiten und mit anderen interagieren. Autismus wird oft als »Spektrum« beschrieben, weil er mal stark autistisch ausgeprägt ist und mal nur ein bisschen. Die Übergänge sind fließend. Das Asperger-Syndrom ist eine Behinderung, die von der äußeren Erscheinung her meist nicht sichtbar ist. Menschen mit Asperger-Syndrom haben Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation, Interaktion und kein soziales Verständnis sowie eine andere Wahrnehmungsverarbeitung als Nichtbetroffene. Sie konzentrieren sich auf Spezialinteressen und haben ein Bedürfnis nach Beständigkeit.
Allerdings verfügen Asperger-Autisten im Gegensatz zu »klassischen« Autisten über einen oft sehr groß Wortschatz, und sie können sich grammatikalisch korrekt und oft auch sehr komplex ausdrücken.


Finanzielle Hilfe für Eltern von Asperger-Autisten

In einer Stellungnahme des Jugendamtes im Landratsamt Miltenberg heißt es: »Asperger Autismus ist als tiefgreifende Entwicklungsstörung dem Bereich der seelischen Behinderungen zuzuordnen. Oftmals weisen Kinder mit Asperger Autismus eine gestörte soziale Interaktion und stereotype Verhaltensmuster auf, wodurch vor allem die Teilhabe an der schulischen Entwicklung beeinträchtigt sein kann. In solchen Fällen kann durch das Jugendamt nach vorheriger eingehender Beratung und Prüfung der Voraussetzungen Eingliederungshilfe nach § 35 a SGB VIII in Form von Schulbegleitung gewährt werden. Sollten ambulante Hilfen nicht ausreichend sein, gibt es auch die Möglichkeit einer stationären Eingliederungshilfe.«

Simons flotte Sprüche

Andrea Schmitt hat einige von Simons Kommentaren gesammelt. Seine Sprüche sind klug und witzig.

Mama, Hände waschen ohne Seife ist wie eine Banane ohne Inneres oder ein Wassereis ohne Wasser.

Mama, die Unterhose sitzt recht knapp.
Hast Du die im Erotikladen für Kids gekauft?

Mama, für dieses Brötchen braucht man eine Kaukraft, als hätte man Zähne an einer hydraulische Presse angebracht!

Mama, ich möchte kein Brötchen zum Frühstück.
Dann habe ich kein Früh-Gefühl.
Lieber Toast.

Simon hat starke Halsschmerzen:
Mama, das Schlucken ist beschwerlich und die Mandeln fühlen sich an als hätte man sie durch Nüsse ersetzt! 

Mama, mein neuer Sportlehrer ist recht angenehm.
Er hat aber einen ziemlich schmalen Schädel.
Daran muss ich mich noch gewöhnen, in meiner Verwandtschaft gibt es nur Dickköpfe!

Simon war mit Papa auf der Canstatter Wasen.
Mama, ich brauche SOFORT Wechselkleidung.
Der Boden auf dem Fest war so was von unhygienisch und wegen der Schwerkraft konnte ich ja nicht über den Boden schweben!!

Simon, ich räume den Ventilator jetzt weg.
Simon: Lass' ihn lieber da, wir haben doch eine globale Erderwärmung!

Simon beim Gespräch mit dem MSD (mobiler sonderpädagogischer Dienst) auf die Frage, ob er schon in sein Hausaufgabenheft geschaut habe:
Dafür ist meine Erziehungsberechtigte zuständig!

Mama, manche Frauen sind so stark geschminkt, da erlangt man kaum Kenntnis vom ursprünglichen Gesicht. 
DICH erkenne ich wenigstens jederzeit! 

Mama, die Pubertät beginnt.
Ich werde vom Kind zum Manne. 
Es entwickeln sich Pickel.
Aber solange sich die anderen Dinge auch entwickeln, kann ich durchaus zufrieden sein!

Stilblüte - der Autor ist Simon:
Mama, ich möchte kein Fleisch mehr, ich will lieber vegetieren!

Abendessen.
Simon hat mehr Essen am Körper als im Magen.
Sein Kommentar: Das war ich nicht, das war mein Pech!"






Donnerstag, 19. April 2018

Die Geschichte der Glanzstoffsiedlung

Sein Kunstwerk auf dem Siedlerplatz in Erlenbach hat Rudolf Müller (rechts) bei der Feier zum 75. jährigen Jubiläum der Glanzstoffsiedlung an Bürgermeister Michael Berninger übergeben.

Am Montag, 22. April 2018 wird im Rahmen des Barbarossamarktes in Erlenbach am Main die Ausstellung 70 Jahre Siedlungsverein und 80 Jahre Glanzstoffsiedlung gezeigt. Konzipiert hat sie Peter Penke, Chronist des Siedlungsvereins.
Hierzu durfte ich eine Blickpunktseite im Main-Echo zusammenstellen. Aus Platzgründen mussten Text gekürzt und Bilder herausgenommen werden. Meine vollständige Arbeit stelle ich hier zur Verfügung. Aber ich empfehle dennoch die heutige Main-Echo-Ausgabe (Lokalteil Obernburg) zu erwerben. Die Seite ist schön gemacht und hat das Wesentliche zum Inhalt.

Fotoausstellung 2012 und 2018


Vor fünf Jahren wurde der 75. Geburtstag der Glanzstoffsiedlung mit einem großen Fest gefeiert. Schon damals hatte Peter Penke eine Fotoausstellung zusammengestellt und eine CD produziert. Seit Monaten arbeitet er zum 80. Geburtstags der Siedlung und zum 70-jährigen Bestehen des Siedlungsvereins an der aktuellen Ausstellung, die am 22. April im Rahmen des Barbarossa-Marktes von 11 Uhr bis 18 Uhr zu sehen sein wird. Dabei ist Peter Penke kein gebürtiger Siedler. Der Hamburger hat sich erst seit 2002 der Liebe wegen dort verwurzelt. Seine Frau Sabrina, ein waschechtes Siedlungskind, ist seit vielen Jahren stellvertretende Vorsitzende des Siedlungsvereins.

Die Siedlung lebt!


»Die Siedlung lebt!«. Dieses Motto prangt auf den T-Shirts der Aktiven des Erlenbacher Siedlungsvereins, der bei den Veranstaltungen jedem Besucher ins Auge sticht. Vor 80 Jahren wurde das erste Haus in der damaligen Glanzstoffsiedlung in Erlenbach gebaut. Zehn Jahre später wurde der Verein gegründet, der das Leben in der Siedlung gesellschaftlich begleitet hat und es bis heute tut. Ein Beweis dafür, dass das Leben jenseits der Bahnlinie immer noch perlt. Die Menschen, die dort wohnen, zeigen einen Zusammenhalt, der seit der Gründung des Siedlungsvereins vor 70 Jahren den nachfolgenden Generationen vererbt wurde. Selbst die, die später dazu kamen, sind mit der Lebensphilosophie verbunden. Ein salopper Spruch aus der Blütezeit der Glanzstoffwerke klingt älteren Bewohnern entlang des Maintals und aus dem Spessart und Odenwald noch in den Ohren: »Elsenfeld hat den Gestank, Obernburg den Namen und Erlenbach das Geld«. Heute hat sich allerdings in dieser und anderer Hinsicht viel geändert.


Die Geschichte der Glanzstoffsiedlung



Das Musterhaus und erste Wohngebäude in der Erlenbacher Siedlung, in das die Familie von Adam Klein einzog.


Heute stellt sich das ehemalige erste Siedlungshaus von 1938 in der Rosenstraße 2 als schmuckes Wohnhaus dar.

Eine Besprechung in den Vereinigten Glanzstoffwerken, bei der es auch um die Frage der Gründung eines neuen Gemeindebezirks ging, war die Geburtsstunde der Erlenbacher Siedlung. Ziel war es, den Arbeitern ein eigenes Heim in Nähe der Fabrik zu geben. Der damalige Erlenbacher Bürgermeister Justin Kirchgässner hatte es abgelehnt, einen eigenen Gemeindebezirk zu gründen. Nach einer abermaligen Besichtigung der Erlenbacher Gemarkung mit der Direktion des Glanzstoffwerkes und Vertretern der staatlichen Stellen fand eine Einigung statt, die sich auf die jetzige Lage in den Fluren »Altwasser und Dornbaum« als künftigem Siedlungsgelände konzentrierte und der Gemeinde Erlenbach zugeordnet wurde.

Bereits am 27. September 1937 wurde mit dem Spatenstich zum ersten Siedlerhaus begonnen. Es galt als Musterhaus für die weiteren Gebäude. Am 2. Oktober erfolgte die Grundsteinlegung, am 12. Oktober das Richtfest , nach nur sieben Wochen, am 15. November, war es fix und fertig. Am 1. Dezember 1937 bezog der erste Siedler Adam Klein mit seiner Frau und seinen vier Kindern das erste Siedlerhaus. Das Musterhaus wurde für die Öffentlichkeit zur Besichtigung zur Verfügung gestellt. Es wurde von 3487 Besuchern in Augenschein genommen. Werden die die vielen Schulklassen mit ihren Lehrern der umliegenden Dörfer hinzugerechnet, sind wohl über 5000 Besucher über die Türschwelle getreten.

In der einen Ecke des Hauses wurde eine Urkunde eingelassen, die später noch davon Zeugnis gibt, wie viele sich eifrig an dem Bau des Siedlerhauses beteiligt und wie viele Behörden mitgewirkt haben.

Der Anfang war gemacht. Im Februar 1938 waren es dann schon 33 Siedler, die gemeinsam in Handarbeit mit dem Aushub für ihr eigenes Siedlerheime begonnen hatten und sie im Zeitfenster von vier Monaten fertigstellten.

Für die endgültige Anlage der Glanzstoffsiedlung waren 250 Siedlungshäuser, 33 Eigenheime, 36 Volkswohnungen und 4 Mietshäuser geplant.


Die ersten Häuser in der Glanzstoffsiedlung sind gebaut.

Bis 1972 hielt sich der Name »Glanzstoff«, danach war es die »Enka«, ab 1991 »Akzo«, von 1994 bis 1999 »Akzo Nobel« und anschließend »Acordis«. Im Jahr 2003 wurde der Standort in viele Einzelbetriebe aufgeteilt und heißt ab diesem Zeitpunkt Industrie Center Obernburg (ICO), das von der Betreibergesellschaft Mainsite GmbH & Co. KG verwaltet wird.

Der mittlerweile verstorbene Heinz Glaab, Urgestein des Erlenbacher Siedlungsvereins, überreicht seine Dokumentation an Bürgermeister Michael Berninger.


Bei der 75-Jahr-Feier der Siedlung im Jahr 2012 waren mittlerweile verstorbene Zeitzeugen dabei, die an die Anfänge der Glanzstoffsiedlung erinnerten: Hans Klein, direkter Nachkomme von Adam Klein, Angehöriger der ersten Siedlerfamilie und Heinz Glaab, der die Geschichte des Siedlungsvereins maßgeblich geprägt hat und aus dessen Unterlagen Peter Penke seine Fotoausstellungen zusammengestellt hat. Glaabs Aufzeichnungen hat er im Rahmen des Jubiläumsfestes in 2012 an Bürgermeister Michael Berninger übergeben.

Der Siedlungsverein Erlenbach damals und heute


Die Vereinslizenz »Siedlerverein Erlenbach am Main« wurde am 24. August 1948 vom Landratsamt Obernburg erteilt. Erster Vorsitzender war Josef Wesner, als zweiter Vorsitzender fungierte Adam Klein. Am 4. Oktober 1952 wurde beschlossen, den Verein in »Siedlungsverein« umzubenennen. Zweck und Aufgaben sind bis heute unter anderem die Pflege der Gartenanlagen, die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und die Kontaktpflege mit der Kommunalverwaltung. 64 Schrebergärten nördlich der Siedlung in Mainnähe wurden betreut und verwaltet. Dies ist auch heute noch der Fall. 
1961 wurde mit dem Bau des Siedlerheims in der Pestalozzistraße 12 begonnen. 1966 wurde es offiziell eingeweiht und ist bis heute Versammlungs- und Veranstaltungsort.



Der Saal des Siedlerheims in der Petalozzistraße wird auch heute noch als Veranstaltungsraum genutzt.


Oliver Frenzl wurde 1981 in Miltenberg als waschechtes Siedlungskind geboren. Er ist selbstständiger Buchhalter, verheiratet und hat zwei Hunde. Außerdem ist er Küster der katholischen Kuratie St. Joseph und Kassier beim örtlichen Gewerbeverein (Verein für Handel und Gewerbe)











Der Siedlungsverein organisiert jährlich wiederkehrende Veranstaltungen: Osterbaumaufstellung,
Lampionfest und 
Adventskaffee, neuerdings auch ein Familienpicknick am 28. August auf dem Strube-Platz (Datum der Vereinslizenzvergabe).
 Am 25. April vergangenen Jahres hat der 36-jährige Oliver Frenzl den Vorsitz vom langjährigen Vereinschef Berthold Lorenz (17 Jahre Vorsitzender) übernommen. Vormals war Heinz Glaab von 1975 bis 2000 Motor des Vereins. Zurzeit steht Frenzl in Kontakt mit der Stadtverwaltung wegen Umgestaltung und möglicher Erweiterung der Schrebergartenanlage. Weiterhin möchte der junge Vorsitzende den Verein wieder zum Sprachrohr der Siedler zur Stadtverwaltung werden lassen. Hier nennt er als Beispiel die Park- und Verkehrsprobleme.

Durch Zufall zum Verein gekommen


Als leidenschaftlicher Fotograf, Bildbearbeiter, Internetseitengestalter und Ausstellungsmacher ist der 75-jährige in Hamburg geborene Peter Penke in der Siedlung verwurzelt und im Siedlungsverein engagiert. In Anerkennung für seinen Einsatz bekam er zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen Heinz Glaab im Jahr 2013 die Barbarossa-Medaille der Stadt Erlenbach verliehen. Ruth Weitz, Mitarbeiterin des Medienhauses Main-Echo fragte ihn nach dem Grund und die Antriebsfeder für sein Engagement.

Peter Penke, Chronist des Siedlungsvereins Erlenbach und Initiator der Ausstellung in der Erlenbacher Frankenhalle.


Wie ist die Tätigkeit im Vorstand des Siedlungsvereins zustande gekommen?


Peter Penke: Es war eher ein Zufall. Durch meine Frau Sabrina entstand der Kontakt zu Heinz Glaab. Er wusste viel und sehr unterhaltsam zu den von ihm gesammelten Bildern zu erzählen. Beruflich komme ich aus der Datenverarbeitung. So lag es nahe, die Bilder zu digitalisieren und mich auch um die Homepage zu kümmern. Im Grunde genommen waren die Leute sehr froh, dass es jemand in die Hand nimmt.

Wie haben Sie die Fotoausstellung konzeptioniert?

Peter Penke: Ich habe sehr viel Bildmaterial von Heinz Glaab und den Siedlern als Material für die Fotoausstellung 2012 zum Jubiläumsfest 75 Jahre Siedlung bekommen. Daraus habe ich auch die jetzige Schau zusammengestellt, die einen Überblick über die Entwicklung von damals bis heute vermittelt.

Was gefällt Ihnen als ehemalige Großstadtpflanze hier besonders gut?

Peter Penke: Hier herrscht nicht die Anonymität der Großstadt. Man begegnet sich und kennt sich. Ich liebe den Main – und natürlich meine Frau!

Fotos: (c) Peter Penke, (c) Ruth Weitz


Ausführliche Informationen zur Geschichte der Siedlung und des Siedlungsvereins unter www.siedlungsverein-erlenbach.de

Dienstag, 17. April 2018

Die Seele redet beim Abnehmen mit

Adipositas - Fettleibigkeit - ist oft ein Zeichen für seelisches Leiden. Foto: pixabay.com

Täglich schlägt eine Flut von Pressemitteilungen in meinem E-Mail-Briefkasten auf. Der Hinweis auf eine Veröffentlichung im Beilit-Literaturportal finde ich höchst interessant. Sie möchte ich den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten.
Darin heißt es: Immer häufiger zeigt sich, dass es einen Zusammenhang zwischen psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen und einem zu hohen Körpergewicht gibt. Hat die seelische Gesundheit auch einen Einfluss auf den Erfolg bei einem angestrebten Gewichtsverlust?
In einem Beitrag, den ich bereits vor einiger Zeit für das Autorenportal Pagewizz geschrieben hatte, ist ein weiterer Aspekt erläutert: Ein Zusammenhang zwischen ungesunder und fettreicher Ernährung und Depressionen. Der Titel: Gesundes Essen schützt vor Depressionen.
Wer mehr über das aktuelle Ergebnis über die Untersuchung eines dreiköpfigen Forscherteams in den USA erfahren möchte, findet die Veröffentlichung hier.

Mittwoch, 21. März 2018

Kompetenztraining der Akademie Frankenwarte mit starker Beteiligung


Hier wird heftig diskutiert. Ein Rollenspiel mit sechs Teilnehmern, die im Seminarraum der Akademie Frankenwarte ein Personalproblem behandeln.

Es war ein anstrengendes, aber gewinnbringendes Wochenende vom 16. bis 18. März 2018, als wir drei Mädels aus dem Kreis Miltenberg am Kompetenztraining der Akademie Frankenwarte teilnahmen. Helga Raab-Wasse, meine Tochter Miriam und ich wählten die landschaftlich schönere Fahrstrecke über Hardheim, kamen frühzeitig und entspannt in Würzburg an, statt uns über die A3 mit vielen Baustellen zu quälen. Wir hatten uns auch gespart, die Umleitung nach Rohrbrunn über Heimbuchenthal und Mespelbrunn zu nehmen, denn die Ortsdurchfahrt Dammbach als direkte Strecke zur Autobahnauffahrt ist zurzeit gesperrt. Schlau gemacht, Mädels! - denke ich mir im Nachhinein.

Es ging um das Thema Rhetorik, in das wir bereits am Freitagabend nach dem leckeren Abendessen einstiegen (Das Essen der Bildungsstätte allein ist es schon wert, ein Seminar zu buchen!). Dozentin Kerstin Kuner aus München hat die große Runde mit 15 Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und mit teils grundverschiedener Motivation souverän geleitet. Ihr war aber anzumerken, dass es Kraft gekostet hat, insbesondere am letzten Seminartag. Als wir (Miriam und ich) im September vergangenes Jahr das Seminar zum Thema »Eigene Potenziale erkennen und in verschiedenen Kontexten gekonnt einsetzen« besucht hatten, waren es deutlich weniger Teilnehmer. Meine Zusammenfassung davon ist hier nachzulesen.

Was besonders positiv hervorzuheben ist, dass wir - in gemischten Gruppen - selbst Reden zu einem bestimmten Thema halten mussten und ein Feedback erhielten. Das erfolgte sehr wertschätzend und brachte mich in meiner Selbstreflexion ein ganzes Stück weiter. Auch die Rollenspiele, in denen eine Diskussionsrunde »simuliert« wurde, haben mir gut gefallen. Auch hier gab es ein wertschätzendes Feedback. Es waren sehr viele interessante Leute dabei, mit denen ich künftig den Kontakt aufrecht erhalten werde. Ein Kulturtreibender und eine Kriminalhauptkommissarin sind mit dabei und bereichern mein Netzwerk. Nachfolgend ein kurzes Video von einem Rollenspiel



Es war zwar affenkalt, aber dennoch haben wir (Miriam und ich) uns am Samstagmittag auf den Weg zum Käppele gemacht, eine Wallfahrtskapelle, die neben der Residenz und der Festung Marienberg eines der wichtigsten Wahrzeichen der Universitätsstadt und dem Sitz der Regierung von Unterfranken ist. Der Blick von dort über das Panorama von Würzburg ist phänomenal. Es animiert mich dazu, im hoffentlich bald anbrechenden Frühling noch einmal nach Würzburg zu fahren, um diesen Blick zu genießen, wenn es grünt und blüht. 🌳🌸

Ein toller Blick vom Käppele auf Würzburg.

Das Würzburger Käppele aus einer etwas ungewöhnlichen Perspektive.

Die Frankenwarte in Würzburg, das Ur-Gebäude der Akademie.


Jetzt noch einmal ein Dankeschön an Kerstin Kuner für die motivierende Weiterbildung und die Akademie Frankenwarte für das Angebot! Gerne komme ich wieder, wenn es um eine Fortbildung geht, die mich weiterbringt.

Mittwoch, 14. März 2018

Pilotprojekt MotherSchools in Erlenbach ein Erfolgsmodell


Frauenrunde in der Geschäftsstelle von MotherSchools in Erlenbach.

Es war pfiffig kalt, als ich morgens in die Geschäftsstelle von MotherSchools nach Erlenbach am Main kam, um eine Reportage über dieses beispielhafte Projekt zu schreiben, die mittlerweile auch im Main-Echo/Bote-vom-Untermain veröffentlicht wurde. Zunächst hatte ich mich mit Nilüfer Aktür, der Projektleiterin unterhalten, die mich umfassend über MotherSchools und ihre Aufgaben informierte. Rund eine Stunde später kamen Frauen dazu, die das Angebot genutzt hatten, sich in insgesamt zehn Terminen schulen ließen, um sich das Rüstzeug anzueignen, das sie befähigt einzugreifen, wenn sie Veränderungen bei ihren und anderen Kindern bemerken, die auf extremistische salafistische Tendenzen hinweisen.
Das Pilotprojekt ist nun abgeschlossen, aber Dank des Erfolges und der damit verbundenen Entscheidung im Sozialausschuss des bayerischen Landtags geht MotherSchools weiter und soll flächendeckend ausgeweitet werden. Besonders interessant finde ich das Drei-Fragen-Interview mit Nilüfer Aktürk, das ich den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten möchte.

Drei Fragen zu MotherSchools


Das Projekt MotherSchools ist eines von vielen Projekten, das vom Verein Frauen für Frauen in Erlenbach angeboten wird. Das Grundziel des Vereins ist, Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Projektleiterin Nilüfer Aktürk äußert sich in einem Drei-Fragen-Interview über die Erfahrungen aus der Pilotphase von MotherSchools.

Weshalb wurde der Verein Frauen Projektpartner von MotherSchools?

Nlüfer Aktürk: Der Verein Frauen für Frauen engagiert sich seit knapp fünf Jahren in erster Linie für die Arbeit mit Frauen, die einen Migrationshintergrund haben. Ziel der Vereinsarbeit ist es, Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Im Projekt MotherSchools werden Mütter in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsarbeit unterstützt.

Gibt es Fälle im Landkreis, die auf salafistische Radikalisierung hinweisen?


Nilüfer Aktürk: Unser Verein hat von einem deutschen Mädchen aus einem Ort im Kreis Miltenberg erfahren, das sich dem IS anschließen will. Mittlerweile hat die junge Frau den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, ist zum Islam konvertiert und lebt mit ihrer neuen Familie nach den strengen Regeln einer salafistischen, dem IS nahe stehenden Gruppierung in einer Stadt des Nachbarlandkreises.

Welche Themen werden bei der Schulung der Mütter behandelt?

Nilüfer Aktürk: Folgende Themen stehen bei den insgesamt zehn Trainingseinheiten im Vordergrund: Das Schweigen brechen; über Extremismus reden; Erziehungs- und Kindheitsdynamiken – Kommunikation mit Teenagern; Radikalisierungsprozesse verstehen; Selbstbewusstsein aufbauen; die Rolle der Frauen in Sicherheitsbelangen. – Übrigens wird das Projekt MotherSchools mit allen vier Standortpartnern in Unterfranken fortgeführt.

Hintergrund Projekt »MotherSchools«


Eine liebevolle und achtsame Erziehung von geflüchteten Müttern aus arabischen Krisengebieten schützt Kinder vor dem Einfluss extremistischer Salafisten.   Foto: © Can Stock Photo / zurijeta
Das Projekt MotherSchools wurde von Frauen ohne Grenzen aus Wien unter der Leitung von Edit Schlaffer entwickelt. Dort wurde auch ein Trainingshandbuch zusammengestellt, das aus zehn Einheiten besteht. Erstmals wurde das internationale Projekt als Pilotprojekt an vier Standorten in Unterfranken (Aschaffenburg, Erlenbach am Main, Schweinfurt und Würzburg) umgesetzt. Ermöglicht wurde dies durch die finanzielle Unterstützung des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales , Familie und Integration. Träger des Projekts in Erlenbach ist der Verein Frauen für Frauen, der im vergangenen Jahr für seine Tätigkeit mit dem bayerischen Integrationspreis ausgezeichnet wurde. Der Sinn von MotherSchools: Ein starkes Selbstvertrauen, eine gute Beziehung zu den Kindern und eine empathische Erziehung sind Grundlage, um Kinder und Jugendliche vor einer Radikalisierung durch extremistischen Salafisten zu schützen. Das besondere in Erlenbach ist, dass der Verein Frauen für Frauen der erste in der MotherSchools-Geschichte ist, der das Projekt gemeinsam mit Frauen mit Fluchterfahrung durchführt. Und das mit großem Erfolg.