Donnerstag, 27. April 2017

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Acht Frauen malen für den Frieden

Mönchberger Frauen aus verschiedenen Nationen malen gemeinsam für den Frieden und schenken das Ergebnis der Spessartgemeinde zum 650. Geburtstag.

Begegnungen, die immer wieder mal zustande kommen, auch wenn die Zeiträume weit auseinander liegen, sind immer schön und bereichernd. Ein persönliches Beispiel ist der Kontakt mit der Mönchberger Heilpraktikerin Susanne Schuck. Wir lernten uns vor über 20 Jahren kennen und treffen uns hin und wieder. Mal ist die Begegnung zufällig, mal gezielt geplant. Susanne besuchte meine Lesung vor zwei Jahren in der Kochsmühle, wir trafen uns bei Veranstaltungen, und nun habe ich ein Projekt von ihr kennen gelernt, das ich großartig finde. Hier stelle ich es ausführlich vor. Für die Tageszeitung Main-Echo habe ich eine Reportage geschrieben, die demnächst veröffentlicht wird.


Mönchberger Frauen aus aller Welt malen zur 650-Jahr-Feier

Mönchberg feiert im Mai seinen 650 jährigen Geburtstag. Aus diesem Grund haben einige Frauen aus verschiedenen Nationen, die in Mönchberg leben, ein gemeinsames Bild gestaltet. Die Mönchbergerin Susanne Schuck hat kurzfristig ihre Naturheilpraxis zu einem Mal-Salon umgestaltet, damit die Frauen gemeinsam malen können. Das Ergebnis war eine kulturelle Bilderreise. Jede mit ihrer eigenen Geschichte.
Die Bedingung war, dass die hier lebenden Frauen in einem anderen Land geboren oder aufgewachsen sind. Zur Zeit wohnen in Mönchberg Frauen aus 20 unterschiedlichen Ländern.

Susanne Schuck sagt: »Mein Wunsch wäre gewesen, dass sich alle 20 Frauen auf dem Bild präsentieren können«. Es beteiligten sich dann acht Frauen aus den Ländern Vietnam, Russland, Weißrussland, Peru, Italien, Irak, Türkei und Frankreich. Um das Gesamtbild zu vervollständigen, hat auch Susanne eine Beitrag geleistet und Deutschland vertreten.
„Die Muse kann nur küssen, wer sich die frei Zeit dafür bereithält“ S. Schuck
Es gibt noch weitere Nationalitäten, die in Mönchberg vertreten sind: Polen, ehemaliges Jugoslawien, Spanien, Norwegen, Indien, Philippinen, Tschechien, Kenia, Ungarn, Rumänien, Afghanistan.

Susanne Schuck im Gespräch mit Ela Nural.


Susanne Schuck ist in Mönchberg aufgewachsen und hat deshalb viele  Kontakte mit den Menschen im Ort: Bei Einkäufen, bei den Spaziergängen. Immer wieder begegneten ihr Frauen aus den verschiedenen Ländern, die hier leben. Das machte sie neugierig und ließ die Idee aufkeimen, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Die Idee zum Malprojekt

Mönchberg war und ist ein beliebter Urlaubsort. Susanne Schuck und ihre Freunde hatten in ihrer Jugendzeit viele Begegnungen mit den Gästen aus anderen Städten und Ländern. Es entstanden Freundschaften. Die Liebe und Neugierde zu anderen Kulturen mit deren unterschiedlichen Lebensgewohnheiten sei geblieben, sagt sie. Dies spiegele sich wider in anderen Sprachen, Speisen und kulturellen Traditionen. »Ich empfinde dies erfrischend und abwechslungsreich. Das macht das Leben lebenswert und interessant«. Die Welt sei in Bewegung. Unsere Jugend zeigt es uns. Sie haben die freie Wahl sich entscheiden zu können, wo sie studieren, arbeiten oder leben möchten. Wir Reisen zu unterschiedlichen Kulturen, um neues kennen zu lernen. Jedoch mit der Möglichkeit jederzeit wieder zu der ursprünglichen Heimat zurückkehren zu können. Was bei nicht jedem Mitbewohnen möglich ist.

Wer das Dorf, aus dem er kommt nicht kennt, wird das Dorf das er sucht nicht finden. (chinesisches Sprichwort)
Jede Frau bemalte ihre eigene Leinwand (20 cm x 20 cm) in der Art eines Mandalas und diese wurden in einem großen silbernen Bilderrahmen (60 cm x 60 cm) zusammengefügt. Die Anordnung ist variabel, so dass immer wieder ein neuer Gesamteindruck entsteht.

Die Formen und Farben, die  allen Malerinnen spontan einfielen, hat überrascht. Es war beeindruckend, welche Muster und Farbgebungen entstanden sind. Als Hilfsmittel standen lediglich Zirkel, Lineale und Aquarellfarbe zur Verfügung. Die Mandala-Zeichnungen entstanden immer im gleichen System mit wiederkehrenden Formen und Konturen, von innen nach außen. Dies führte zu Strukturen mit geometrischer Ordnung. Abschließend wurden sie mit bunten Farben ausgeschmückt.

Das Ergebnis zeigte allen Frauen, dass in jeder ein vielseitiges Potenzial steckt, schöpferisch tätig zu sein, auch wenn viele anfangs meinten, sie könnten nicht malen.

Farben und Formen sprechen eine deutlichere Sprache als Worte Geroga O`Keeffe

Was lange währt, wird richtig gut

Das Projekt begann schon im Januar. 2017. Sie Frauen trafen sich einmal in der Woche an einem Dienstag oder Donnerstag für zirka drei Stunden. Es waren ungefähr drei Vormittage nötig, um ein Bild zu gestalten. Da einige Frauen berufstätig sind und/oder noch weitere Verpflichtungen haben, hat die Erstellung des gemeinsam gestalteten Bildes doch etwas länger gedauert als ursprünglich geplant. Insgesamt waren 39 Stunden nötig, um das Gesamtkunstwerk zu vervollständige

Das große Orginal-Bild »Frauen aus aller Welt« wollen die Frauen am Sonntag, 21. Mai der Gemeinde als Jubiläumsgeschenk überreichen. Verbunden damit ist der Dank, dass wir hier alle in Frieden und Wohlstand zusammen leben können. Das Bild soll immer daran erinnern.

Hinter jedem Bild eine Lebensgeschichte

Susanne Schuck interessierte, welche Lebensgeschichte jede einzelne Frau mit sich trug. Deshalb stellte sie den Mal-Kolleginnen folgende Fragen:

  • Welche Gründe hatten Sie ihre Heimat zu verlassen?
  • Welches Gefühl überkam Sie, als sie hier ankamen und wie wurden Sie aufgenommen?
Es wurden ganz unterschiedliche Gründe und Argumente genannt, die sie nach eigener Aussage tief berührten: Krieg, Flucht, Adoption und Liebe

»Ich bin den Frauen sehr dankbar, dass sie sich so mutig und offen auf das Experiment des Malens und der Beantwortung meiner Fragen eingelassen haben. Es ist großartig, wenn die Vielfältigkeit der unterschiedlichen Nationen in einer farbigen Darstellung gezeigt werden«, sagt die Initiatorin und stellt fest: »Mut bewiesen all diese Frauen, die sich auf die Suche begaben, eine friedliche Welt für ihre Familien und Kinder zu finden.«
Diese freie Wahl sich nach seinen Bedürfnissen und Gaben entfalten zu können ist nur im Frieden möglich. Die Frauen fanden sie in Mönchberg.
So kamen die Frauen zum Malen. Eine nach der anderen. Mal in Grüppchen, mal alleine. Als die Frauen von Weissrussland, bzw. Russland, kamen, hatte die Intiatorin absolutes Vertrauen, dass sie malen konnten, denn die russische Seele besteht aus Kunst und Handfertigkeiten.
In jedem Bild der Malerinnen steckt eine ganz eigene persönliche Lebensgeschichte, die anschließend aus den Erzählungen der Frauen und der eigenen Sichtweise von Susanne Schuck geschildert wird.

Riep Nguyen / Vietnam
Meine liebe Gartenfreundin Riep war die erste Teilnehmerin. Es war s eine Freude zu sehen, mit welchem Mut sie ans Werk ging, obwohl Riep in Vietnam keinen Mal-Unterricht hatte. Die Zeit in ihrer Heimat war geprägt vom Krieg, und nur wenn keine Sirenen heulten und der Schulweg sicher schien, konnte sie sich auf den Weg machen, um die Schule zu besuchen. Ihr Land lag damals noch unter Bombenbeschuss der Amerikaner  Sie musste oft den Luftschutzkeller aufsuchen. Die existenziellen Bedürfnisse des Überlebens standen hier im Vordergrund. Da wurde natürlich nur das wesentliche gelehrt wie Schreiben, Lesen und Rechnen. Für das Kreative gab es keinen Gedanken.

Rieps Ehemann floh 1986 von Vietnam und wurde mit dem letzten Rettungseinsatz der Cap Anamur gerettet. Über Hamburg wurden die Flüchtlinge damals auf verschiedene Städte verteilt. So gelangte er nach Erbach. Riep blieb mit den zwei kleinen Kindern in der alten Heimat. Sie hatte sehr wenig Kontakt zu ihrem Mann, da es damals weder Internet noch Mobilfunknetzte gab. Da gab es nur die Hoffnung und das Vertrauen auf ein glückliches Wiedersehen. Sobald Rieps Ehemann eine feste Arbeitsstelle und einen festen Wohnsitz nachweisen konnte, durfte er die Familie nachholen. In Erbach gab es damals viele Landleute aus Vietnam. 1994 kam die Familei nach Mönchberg. Alle fühlten sich hier sehr wohl. Die Kinder waren in den Vereinen und der Schule gut aufgenommen. Leider starb ihr Ehemann 2004, und die Kinder sind zum Studium weggezogen. Sobald das Wetter schön ist, finden wir Riep in ihrem kleinen Gärtchen beim Pflegen ihres Gemüses und Blumen.
Als Riep ihr erstes Bild malte, war sie ganz aufgeregt. Wir hatten uns die Vorgabe gemacht, etwas Eigenes, Individuelles gestalten. Es durfte keine Kopie sein. Der Umgang mit Farben und Pinsel war für Sie etwas absolut Neues. Das alles ist nicht zu unterschätzen. Nach  neun Mal-Stunden war ihr eigenes erstes Bild entstanden. Die Freude darüber war so groß, dass wir uns beglückt umarmten.

Die Interpretation des Bildes Vietnam: Im Zentrum sehen wir die Farben der Flagge von Vietnam. Im Äußeren befindet sich die Lotusblüte. Sie ist in Asien die heiligste Pflanze. Man glaubt, dass die Lotusblüte die Welt in ein Paradies verwandeln kann, was die Einheit allen Lebens verdeutlicht. Die Blütenwurzeln stecken im tiefen, dunklen Schlamm am Grund des Sees. Schafft es der Pflanzenstängel schließlich die Wasseroberfläche zu erreichen, öffnet er seine Knospen der Sonne. Die Essenz dieser prachtvollen Blüte bewirkt eine Harmonisierung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Es beruhigt den Geist und verbessert die Konzentration. Diese Pflanze hat eine schöne Symbolkraft für das Projekt.



Natalia Amrhein / Weißrussland, 
Monique Schüßler / Frankreich
Nadia Miltenberger / Russland

Nataljas Aussage:»Einen ganzen Tag hat die Freude über das entstehende Bild angehalten. Die Menschen in Russland lieben Gold, deshalb trage ich zum Schluss noch etwas Goldstaub auf das Gemälde.« Natalja hat die Liebe nach Deutschland geführt. Sie begegnete ihrem Sebastian in München, als sie den ökumänischen Kirchentag besuchte und ihn nach dem Weg fragte.

Nadia aus Sankt Petersburg hat in der Eremitage gearbeitet und war dort von vielen großen bedeutenden Kunstwerken umgeben. Sie entwickelte seitdem so viel Freude an der Malerei und ihr Mal-Prozess ist nicht zu stoppen. Sie sagt »Hier ist ein Mal-Talent entdeckt« Nadja wurde auch durch die Liebe nach Mönchberg geführt.

Moniques Aussage: »In Frankreich wurde zu meiner Schulzeit kein Zeichenunterricht angeboten«. Sie trug zügig ihr Musteridee auf die Leinwand mit der Aussage: »Ich male minimalistisch. Das ist aussagekräftig«. Die Bedeutung von Minimalismus ist das Streben nach Objektivität, schematischer Klarheit und Logik. Das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, geometrische Formgebung. Die Konzentration auf das Wesentliche. Im Bild zu sehen ist die Schwertlilie das Symbol der französischen Monarchie. Diese steht für den schöpferischer Selbstausdruck und verleiht Inspiration. Die Farben der französischen Flagge ist mit integriert.
Monique Schüßler wurde ebenfalls durch die Liebe nach Deutschland geführt, sie heiratete den damaligen Mönchberger Arzt Dr. Norbert Schüßler.

Anne Lange / Peru

Annes Herkunftsland ist Peru. Sie wurde als Kleinkind von einer liebevollen, hessischen Familie adoptiert. Als erwachsene Frau zog sie mit ihrem Mann Jürgen nach Mönchberg.

Eine ihrer ersten Begegnungen mit einer Mönchbergerin war folgende.: Anne kam eines Abends nach Hause und wollte die Adlerwerts Wohnung (Wohnung im Gasthaus »Zum schwarzen Adler«) gehen. Da nahm sie vor sich einen großen Schatten wahr. Erschrocken drehte sie sich um. Es stand eine übergroße Frau vor ihr, mit ihrer Kunstleder Tasche, die diese Frau immer bei sich trug. Anne schaute zu ihr hoch. Die Frau fragte: »Bist du ah a kaafdi?«. Anne war nur der hochdeutschen Sprache mächtig, sie verstand diese Frage nicht. Sie lief zum »Adler Werts Fanz« (Franz Link) und erzählte ihm dieBegebenheit und bat um eine Übersetzung. Er lachte schallend und übersetzt. Es hieße „ Bist du auch eine gekaufte Frau?“. Nach so vielen Jahren erinnert sich Anne belustigend an diese erst Begegnung mit einer Mönchbergerin. Anne fühlt sich in Mönchberg sehr wohl und sie engagiert sich, wo sie gebraucht wird.

Maria Weis / Italien

Maria legte ein erstaunliches Tempo vor und hatte in kürzester Zeit die Farbe aufgetragen. Zielsicher ging sie mit ihrem sizilianischen Temperament an das Werk . Sie wusste genau, dass sie sechs Kreise in der Mitte haben wollte. Die Zahl 6 bedeutet großes Verantwortungsbewusstsein und Streben nach Harmonie in der Familie.
In Sizilien gab es damals in der Schule kein Malunterricht. Es war kein Platz für die kreativen Fächer. Wert wurde nur auf Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt. Die Kinder in ihrer Schulzeit besaßen lediglich ein paar Schreib- und Rechenhefte. Es ist ein schönes Bild geworden, und das ohne irgendwelche Grundkenntnisse des Malens. Marias Mann kam vor 36 Jahren nach Sizilien, um dort einen Freund zu besuchen. Da lernte er Maria kennen und nahm sie mit nach Deutschland.
»Wie erging es dir, als du nach Mönchberg kamst«, wurde sie von Susanne Schuck gefragt. Die Antwort: »Es war schwer am Anfang. Die Geschäfte machten schon um 18 Uhr zu, kein Kaffee, keine Eisdiele. In Sizilien ist es warm, das drängt die Menschen natürlich viel mehr nach draußen, und man trifft sich dort«.


Wafaa Badri Solaqe Kajo / Irak

Wafaa hatte im Irak keine Möglichkeit, mit bunten Farben zu malen, auch dort gab es keinen Kunstunterricht.
Ihr Bild zeigt das vergangene Schwarze in der Mitte und außen die bunten Strahlen. Sieben Strahlen mögen es sein: bunt wie der Regenbogen, vielfältig wie unsere Welt.

Die Zahl Sieben steht symbolisch für Veränderung. Beim Auftragen des Musters wurde der Hafer gewählt. Hafer (lat. Avena sativa) hat in der Naturheilkunde eine beruhigende und regenerierende Wirkung.
Wafaas kleine Tochter Annamaria war immer dabei. Einmal schlief sie auf  Susanne Schucks Arm ein, sie blieb geduldig. Ihre Mutter konnte so das Gemälde in Ruhe fertigstellen.
Das Ehepaar Badri lebte im Irak. Vor ungefähr vier Jahren haben sie ihre Reise Mönchberg angetreten. Im September vergangenen Jahres ist die kleine Annamaria in Erlenbach auf die Welt gekommen.



Ada Uyar und Ela Nural/ Türkei

Die jüngste Malerin Ada ist 12 Jahre. Ihre Mutter heiratete den Nachbarn der Familie Schuck.
Nun gab es zwei kunstbegabte Malerinnen, doch es war nur noch Platz für ein Bild. Wie die Mütter so sind, überlies Ela der Tochter den Vortritt.
Adas Kreation ist nun im großen Gesamtbild zu sehen. Es gibt keine Interpretation der jungen Künstlerin, denn es ist noch im Reifeprozess. Sehen wir allerdings das Bild der Mutter, kann erahnt werden, wohin der Weg geht.

 Mittlerweile haben wurde ein zweites großes Bild begonnen, und hier konnte sich Ela präsentieren. Sie zeichnet mit geschickter Hand eine Kompaktheit auf die Leinwand. Es ist alles in einem harmonischen Gefüge zusammengestellt.
Auf ihrem Bild ist ein Olivenzweig abgebildet, der symbolisch für Versöhnung und Frieden steht. In früheren Zeiten bekam der Sieger eines friedlichen und sportlichen Wettkampfes den Olivenkranz gereicht. Aus der mediterranen Küche st bekannt, dass das aus dem Olivenbaum gewonnene Öl positive gesundheitliche Vorteile für unser Herz- Kreislaufsystem hat. Das Getreide, das auf der rechten Seite zu sehen ist, steht für die Versorgung unsere Grundbedürfnisse.


Susanne Schuck / Deutschland

»Ich malte jedesmal ein Stück meines Bildes mit, wenn die verschiedenen Nationen zum Malen bei mir waren. Es war ein Experiment alle Farbideen in einem Bild zu vereinen.«
Zur Frage, ob sie zufrieden mit dem Malprojekt als Jubiläumsgeschenk ist, erklärt sie: »Ja sehr. Es ist für uns etwas ganz besonderes geworden.
Ich danke allen Frauen. die sich die Zeit nahmen gemeinsam mit mir etwas Neues zu gestallten. Ihnen gilt mein größter Respekt, vor allem davor, mit welch großer Geduld alle ans Werk gegangen sind. Am Anfang hörte ich oft den Satz 'Ich kann nicht malen', und wir wussten nicht, wie sich alles entwickeln würde. Im Grunde ist alles was wir tun, ein Wagnis. Wir wissen nie, was dabei herauskommt, wenn wir uns auf etwas Neues einlassen. Dieses Erlebnis teilen alle Frauen, die hier teilgenommen haben. Wir brauchen uns nicht mit den großen Malern zu vergleichen, das war nicht unser Ziel gewesen. Es ist vielmehr die Idee, die Gemeinschaft der Frauen aus aller Welt, die in Mönchberg leben, auf einem Bild zu vereinen, Freundschaften zu knüpfen und gemeinsam eine schöne Zeit zu erleben.

Die ursprüngliche Idee, ein Jubiläumsgeschenk zu gestalten, entwickelte sich nach und nach immer mehr zu Lebensgeschichten, die in den einzelnen Bilder enthalten sind mit der Vision, in einem vereinten und friedvollen Europa zu leben. Das kann gelingen durch ein aktives Miteinander und aufeinander Zuzugehen, bei dem alle Gegensätze aufgehoben und zur Einheit zusammengefügt werden.
Abschließend sagt die Initiatorin: »Mein Dank gilt dem Verein zur Gestaltung der 650-Jahr-Feier, die uns mit einem kleinen Zuschuss für unsere Materialien unterstützten wird.«
Wer jetzt neugierig auf das Gesamtwerk geworden ist, kann dies am Festsonntag den 21. Mai im Mönchberger Rathaus besichtigen.




Montag, 17. April 2017

Vorbildliche Integrationsarbeit im Nähkaffee

Handarbeiten und miteinander Deutsch zu lernen, das macht allen Spaß, den Flüchtlingsfrauen und den Frauen des Helferkreises.

Vorbildlicher Einsatz im Ehrenamt geschieht oft im Stillen, ohne großes Brimborium und Öffentlichkeitsarbeit. Wie viele Frauen und Männer pflegen über einen langen Zeitraum hinweg Familienangehörige und machen keinerlei Aufhebens davon. Ehrung und Anerkennung erfahren sie nicht. Meistens nicht. Dies mal vorweg.

Als die Flüchtlinge kamen, haben sich viele Helferkreise gebildet. Das Engagement ebbt mittlerweile ab. Dennoch gibt es Menschen, die weiterhin viel tun, damit die Integration vorangebracht wird, selbst wenn es schwierig ist. Flüchtlinge aus Afghanistan haben wenig Chancen als Asylsuchende anerkannt zu werden und haben Angst, abgeschoben zu werden. Diese Angst entlädt sich nicht selten in Aggressionen. Dazu kommen ethnische Unterschiede in den Volksgruppen aus unterschiedlichen Ländern. Kein einfaches Unterfangen für die Flüchtlingshelfer, dies alles zu stemmen. Die im Nähkaffee im unterfränkischen Kleinwallstadt engagierten Frauen sind ein Stück weit vorangekommen. Sie leisten vorbildliche Integrationsarbeit für Flüchtlingsfrauen.

Beim gemeinsamen Handarbeiten wird Deutsch gesprochen, so dass die Migrantinnen sich mittlerweile gut verständigen können und auch mehr Selbstbewusstsein gewonnen haben. Ihre Arbeiten, Taschen und Täschchen und andere selbstgefertigte Produkte für den Alltagsgebrauch, bieten sie auf Märkten und Veranstaltungen gegen eine Spende an. Davon werden dann neue Materialen finanziert. Teilweise erhält das Nähkaffe auch Sachspenden wie Stoffe, Garne oder Knöpfe.

Im Nähkaffee hergestellte Handarbeiten, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch nützlich

Aus der Nähkaffee-Gruppe erfolgte nun eine Vereinsgründung, um die entsprechende rechtliche Basis zu erhalten und bei den Aktionen Sicherheit zu erhalten. Hier eine Zusammenfassung der Aktivitäten und Beweggründe, die hinter der Vereinsgründung des Nähkaffees stehen. Im vergangenen Jahr erschien ein Artikel in der Tageszeitung Main-Echo, als die Gruppe noch im Kleinwallstädter Feuerwehrhaus untergebracht war.


Dienstag, 7. März 2017

Internationaler Frauentag am 8. März: Wichtiger denn je!

Am 8. März 2017 wird der Weltfrauentag oder auch Internationaler Frauentag zum 106. Mal gefeiert. Die Frage stellt sich, was wurde erreicht, was gilt es noch anzupacken und muss dieser Tag weiterhin international begangen werden, um die Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen? - Oder ist er bereits überflüssig geworden? Bildquelle: pixabay.com

Morgen, am Mittwoch, 8. März, ist der 106. Weltfrauentag, der auch Internationaler Frauentag genannt wird. Zum ersten Mal wurde er im Jahr 1911 begangen, als die Rechte der Frauen noch in den Kinderschuhen steckten. Es wurde seitdem viel erreicht, aber noch lange keine echte Gleichstellung erzielt. Es gibt sogar Tendenzen, das Rad wieder zurückzudrehen. Hierzu habe ich ein Interviews mit der Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats, Hildegund Rüger, geführt, das zur Veröffentlichung im Main-Echo aus technischen Gründen gekürzt werden musste. Die wichtigsten Passagen sind zwar enthalten, aber für Interessierte ist es sicher wichtig, den kompletten Inhalt zu lesen. Hildegund Rüger ist vielen am bayerischen Untermain noch bekannt, unter anderem als Schulleiterin der Josef-Anton-Rohe-Schule in Kleinwallstadt oder als BLLV-Vizepräsidentin.


Seit 1911, dem ersten in Deutschland veranstalteten Frauentag, hat sich vieles zum Positiven für Frauen geändert. Wo liegen Ihrer Meinung nach heute die Schwerpunkte in der Benachteiligung von Frauen?

Hildegund Rüger: Die Studie „Was junge Frauen wollen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2016 brachte es zu Tage! Nur zehn Prozent der Frauen im Alter bis 40 Jahren sind der Meinung, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland voll und ganz realisiert ist – und auch nur 15 Prozent der Männer vertreten diese Auffassung. Insofern sind sich Frauen und Männer darüber einig, dass die tatsächliche Gleichstellung noch nicht Realität ist. Frauen und Männer der jungen Generation begreifen Gleichstellung nicht als Kampf gegeneinander, sondern als eine gemeinsame „Baustelle“. Diese Sichtweise der Frauen und Männer heute bedeutet, dass Gleichstellungsdefizite den Zusammenhalt gefährden und dass Ungleichstellung befördernde Fehlanreize und Rahmenbedingungen gesellschaftliche Bruchstellen verursachen. Bei Frauen der jüngeren Generationen aller Schichten sind unter anderem folgende familien- und gleichstellungspolitische Themen angekommen und bestimmen ihren Blick auf ihre eigene Lebenslage, auf die Gesellschaft und ihre Forderungen an die Politik:

» Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern ist groß, ungerecht und muss unbedingt und rasch beseitigt werden.

» In einer Partnerschaft und nach der Familiengründung praktizieren junge Frauen traditionelle Geschlechterrollen. Obwohl sie dies eigentlich nicht wollen, ist es heute aus
finanziellen Gründen sinnvoll und vernünftig, so zu handeln.

» Es gibt zu wenige Frauen in Führungspositionen! Die Mehrheit der jungen Frauen ist überzeugt, dass sich ohne gesetzliche Maßnahmen und Druck (Sanktionen) wenig tun wird.

» Frauen in der Mitte der Gesellschaft verlangen von der Politik und wünschen sich von ihrem Arbeitgeber eine individuelle Flexibilität von Arbeitszeit, täglichem Arbeitspensum und Arbeitsort: Das Ergebnis muss stimmen.

» Bei jungen Frauen mit relativ hohem Einkommen ist die Frage ihrer späteren Rente sehr präsent. Insofern wollen sie auf ihre Erwerbstätigkeit nicht verzichten. Hingegen denken Frauen mit geringerem Einkommen weniger über ihre Rente nach. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Sie sind aktuell so sehr mit der Finanzierung ihres wöchentlichen und monatlichen Lebensunterhalts beschäftigt, dass sie sich keine Gedanken machen
können, was später kommt.

Auf die Stimme dieser Frauen gilt es nun zu hören und effektiv an die Arbeit zu gehen. Diese „Baustellen“ dürfen nicht die Dimensionen wie die des Berliner Flughafens
annehmen.


Teilen Sie die Meinung vieler Frauenrechtlerinnen, dass ein Rückschritt in der Gleichstellungspolitik, ein so genannter Backlash, zu beobachten ist?

Hildegund Rüger: Ja, es gibt Rückschläge zu verzeichnen, da ein Generationswechsel stattgefunden hat. Feminismus hat unter der jungen Generation einen schlechten Ruf, gilt als hausbacken und „uncool“. Andererseits sehen viele junge Frauen eine Gleichberechtigung der Geschlechter noch keineswegs verwirklicht, wie uns die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aufzeigt. Die jungen Feministinnen arbeiten vor allem mit dem Internet und somit zielorientiert. Der Aktionismus findet also nicht mehr auf der Straße statt, ist nicht mehr laut und plakativ – ich denke an die Aktion „Mein Bauch gehört mir“ –, sondern von einer gewissen Subtilität und Fachkenntnis geprägt.

Der Bayerische Landesfrauenrat beteiligt sich an dem Aktionsbündnis »Parité in den Parlamenten«, das Ende November 2016 eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht hat. Was ist der Hintergrund?

Hildegund Rüger: In den Parlamenten sind wir Frauen nicht gleichberechtigt vertreten. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass die Hälfte der Bevölkerung bei der Mitgestaltung politischer Entscheidungen benachteiligt wird! Dabei sind 51 Prozent der Wahlberechtigten Frauen. Im März 2014 hat sich in Bayern das Aktionsbündnis „Parité in den Parlamenten“ gegründet, das paritätisch besetzte Wahllisten und Wahlkreise für EU, Bund, Land und Kommunen fordert. Ziel ist es, durch eine paritätische Aufstellung von Kandidatinnen und Kandidaten, ein gerechtes Geschlechterverhältnis in den Parlamenten zu erreichen. Der Bayerische Landesfrauenrat ist Kooperationspartner des Aktionsbündnisses, das am 30. November 2016 eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht hat. Wir wollen es wissen!: Kommt der Staat seinem verfassungsgemäßen Auftrag in Art. 118 Abs. 2 Bayerische Verfassung nach und sorgt dafür, dass er die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt? Nach unserer Auffassung ist die von der Bayerischen Verfassung gebotene "Durchsetzung der Gleichberechtigung" derzeit nicht gegeben, ohne die Parteien und Wählervereinigungen gesetzlich zu verpflichten, ihre Kandidatenlisten paritätisch aufzustellen. Sowohl das Grundgesetz als auch die Bayerische Verfassung fordern nämlich „die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ und „die Beseitigung bestehender Nachteile“ durch den Staat.

Wann erwarten Sie ein Ergebnis der Popularklage, was ist die Konsequenz, wenn sie erfolgreich ist und was, wenn sie scheitert?

Hildegund Rüger: Wir erwarten mit Spannung, wie der Bayerische Verfassungsgerichtshof, hoffentlich zügig, entscheiden wird. An ein Scheitern denken wir nicht, gedanklich gehen wir diese Sache so nicht an! Alles Weitere wird sich zeigen.

Wie kann man Ihrer Meinung nach gerade junge Frauen für politische Ämter begeistern und sie motivieren, sich einzumischen und politische Rahmenbedingungen mitzugestalten?
Hildegund Rüger: Folgende Hauptgründe für diese Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik sind offensichtlich: Frauen haben kaum Interesse an der Politik, da erstens die Formen politischer Arbeit noch immer männlich geprägt sind; zweitens die aktuellen politischen Karrieremuster den Aufstieg für Frauen erschweren und drittens die Politikerinnen in den Medien leider immer noch marginalisiert und trivialisiert werden. Rita Süssmuth äußerte einmal: „Obwohl Frauen die Mehrheit der Bevölkerung bilden, verharren sie in einem Minderheitenstatus. Im Parlament machen sie sich aus wie einige bunte Tupfer in einer blaugrauen Anzugswelt“.
Wenn Politik keine Männerdomäne bleiben soll, so muss die Geschlechtergleichheit als wichtigste Aufgabe in die politische Arbeit mit aufgenommen werden. Insbesondere die Parteien sind aufgefordert, Frauen nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes zu umwerben, sondern ihren Lebenslagen und Interessen in der politischen Praxis permanent Rechnung zu tragen. Die Motivation und Begeisterung der Frauen für die Politik wird die natürliche Folge sein.
Wir müssen nun alle Hebel in Bewegung setzen, um das riesige Potential der Frauen in der Politik den Parteien aufzuzeigen.

Welche bedeutenden Veränderungen wurden durch das Mitwirken des Landesfrauenrats zu Gunsten der Frauen in Bayern erreicht?

Hildegund Rüger: Der Bayerische Landesfrauenrat begleitet bereits seit über 40 Jahren die Frauen in Bayern auf ihrem Weg zu Chancengleichheit und vollständiger Gleichberechtigung. Als überkonfessionelles, überparteiliches und unabhängiges Gremium trägt er seit 1973 zur Verbesserung der Situation der Frauen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bei. Er fördert dabei die Zusammenarbeit der in Bayern tätigen Frauenverbände und der Frauengruppen gemischter Verbände. Aus anfangs 30 Mitgliedsverbänden sind heute 48 Mitgliedsverbände geworden, in denen knapp vier Millionen organisierte Frauen vertreten sind.Trotz verschiedenster Interessen spricht der Bayerische Landesfrauenrat mit einheitlicher Stimme für die Frauen in Bayern. Aktuell beschäftigt sich der Bayerische Landesfrauenrat unter anderem mit den Themen: Frauen als pflegende Angehörige, Geschlechterbildung und Genderperspektiven im Care Bereich, Arbeit 4.0 – Auswirkungen auf das Familienleben und Arbeitsleben sowie „Wer erklärt wie unsere Gesellschaft und mit welchen Medien?“ Das Jahresmotto des Bayerischen Landesfrauenrates 2017 lautet: „Was Frauen wollen – MEHR!“
Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass die Frauen wissen, was sie wollen, aber es geht noch besser, wenn die „Wunschliste“ nicht noch so lange wäre.

Die Ziele des Internationalen Frauentags sind weltumspannend, in wieweit ist der Bayerische Landesfrauenrat in das nationale und internationale Netzwerk eingebunden?


Hildegund Rüger: Mit unserem regelmäßigen Newsletter, Internet- und Facebook-Auftritt, aber auch in öffentlichen Veranstaltungen, wie unsere Reihe „Quer gedacht“, machen wir Politik und Öffentlichkeit auf frauenpolitische Anliegen aller Couleur aufmerksam.
Um unsere Ziele zu verwirklichen, engagieren wir uns in verschiedenen Gremien, zum Beispiel am Runden Tisch „Bürgerschaftliches Engagement“, im Landesplanungsbeirat, in der Steuerungsgruppe des Forum Soziales Bayern, am Aktionsbündnis Equal Pay Day, im Beirat der Bayernwerk AG und im Bayerischen Rat der Europäischen Bewegung – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus führen wir regelmäßige Spitzengespräche mit Partnern des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens. Auf Bundesebene engagieren wir uns im Deutschen Frauenrat sowie auf der Konferenz der Landesfrauenräte.
Erwähnenswert ist selbstverständlich auch, dass der Bayerische Landesfrauenrat seine Empfehlungen an Organe der Legislative und Exekutive in allen Fragen, die die gesellschaftliche Situation der Frau betreffen, abgibt. Daneben beraten wir insbesondere auch die Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. In all meinen Reden und Vorträgen weise ich darauf hin, dass – nach der Weltstatistik – Frauen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung bilden, dass sie zwei Drittel aller Arbeitsstunden leisten, dass sie nur 10 Prozent des Welteinkommens erhalten und dabei weniger als ein Prozent des Welteigentums besitzen. Diese Missstände auf internationalem Niveau zeige ich immer wieder auf.

Die Vereinten Nationen haben den Internationalen Frauentag 2017 unter das Motto: »Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030« gestellt. In Deutschland wurde es auf den Leitspruch »Wir verändern!« verkürzt. Ist es realistisch, bis 2030 eine weltweite Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen, gerade vor dem Hintergrund der Diskriminierung von Frauen und Mädchen in vom Islam dominierten Ländern?

Hildegund Rüger: Wir würden uns nichts mehr als das wünschen. Die Tatsachen sprechen aber leider eine andere Sprache. Der Weg bis zur Gleichstellung von Männern und Frauen ist lang – und er wird leider immer länger, wie aus dem Gender Gap Report 2016 hervorgeht, den das Weltwirtschaftsforum veröffentlicht hat. Bei dem derzeitigen Tempo wird es noch 170 Jahre dauern, bis Frauen und Männer dieselben Chancen erhalten. Im Jahr 2015 lag die Schätzung der Experten noch bei 118 Jahren. Ich baue und hoffe darauf, dass die Gleichberechtigung schneller voranschreitet, wenn sich mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft und Politik, auf nationaler und internationaler Ebene, befinden. Erst wenn wir Frauen an allen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Belangen zu 50 Prozent beteiligt sind, können wir aufatmen! Deshalb ist Gleichstellungs- und Frauenpolitik, unabhängig von Konfessionen, auch in Zukunft unerlässlich!

Viele Bürger, auch Frauen, wissen mit dem Datum 8. März nichts anzufangen. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Bedeutung des internationalen Frauentags so wenig öffentliches Interesse erzeugt?

Hildegund Rüger: Wir sind beim 106. Geburtstag des Internationalen Frauentages angelangt. 106mal wurde schon auf die Ungleichstellung der Geschlechter weltweit hingewiesen. Es hat den Anschein, dass nach 106 Jahren schon alles gesagt wurde und deshalb dieser Tag leider nicht mehr im Fokus des öffentlichen Interesses ist. Ich gebe mich jedoch kämpferisch und schließe mit den Worten von Viviane Reding, der ehemaligen Vizepräsidentin der Europäischen Kommission: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“

Hildegund Rüger, seit 2005 Präsidentin des
Bayerischen Landesfrauenrats. Foto: privat

Was ist der Bayerische Landesfrauenrat?

Insgesamt 49 Frauenverbände – und Frauengruppen sind unter dem Dach des Bayerischen Landesfrauenrats zusammengefasst, der rund 4 Millionen Frauen in Bayern vertritt. Er ist überkonfessionell, überparteilich und unabhängig und wird vom Bayerischen Sozialministerium gefördert. Vorrangiges Ziel des Landesfrauenrats ist die Verbesserung der Situation der Frauen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Öffentlichkeitsarbeit zu Fragen der Gleichstellung, Stellungnahmen und Empfehlungen an Organe der Legislative und Exekutive prägen die Arbeit des Landesfrauenrats, um die Interessen der Frauen in Politik und Gesellschaft zu vertreten. Auch die Beratung der Frauenbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung zählt zur Arbeit des Landesfrauenrats.

Einige Hintergrundinformationen zum Internationalen Frauentag auf der Autorenplattform Pagewizz hier zusammengefasst.



Montag, 6. Februar 2017

Eine Stadtführung durch Obernburg mit der DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier

Die Teilnehmer bei der Stadtführung mit Freya Klier (zweite von links) vor dem Rathausplatz.
Foto: Manfred Gielen (DANKE!)
Es war eine große Ehre für mich, mit einer so liebenswerten und berühmten Frau und Künstlerin wie der Bürgerrechtlerin Freya Klier eine Stadtführung zu machen. Heute, Montag, 6. Februar, trafen wir uns vor der Anna-Kapelle. Nicht nur die Vertreter und Vertreterinnen der beiden Realschulen aus Obernburg und Elsenfeld waren gekommen, sondern auch einige interessierte Gäste aus Obernburg und Umgebung, um uns zu begleiten.

Vor der Kochsmühle erzählt Wolfgang Rohrbach (zweiter von links) von seinen Erlebnissen als Galerist.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel es über unser schönes Römerstädtchen zu erzählen gibt. Eigentlich hatte ich mir das Zeitlimit von 45 Minuten gesetzt. Aber ich habe wieder mal überzogen, so dass ich die letzte Etappe im Zeitraffer erledigen musste. Endpunkt war der Hexenturm, an dem die szenische Darstellung »Ännchens Angst vor der Inquisition« von Jasmin Kohl und Katja Zöller gezeigt wurde. Die Szene beruht auf einer Geschichte in meinem Stadtführer »Obernburg mit langen Wimpern«.

Schnell noch ein Foto von der Anna-Kapelle machen! Freya Klier mit
Johannes Henrich (links) Konrektor der
Main-Limes-Realschule
und dem Elternbeiratsvorsitzenden 
Andrea Faggiano.

Bereichert wurde die Führung durch Geschichten, die Wolfgang Rohrbach erzählte. Sei stammten aus seinen Erfahrungen als Galerist in den ersten Jahren nach der Generalsanierung der Kochsmühle. Frau Dagmar Menger, im Heimat- und Verkehrsverein aktiv, trug Wissenswertes zu den Baudenkmälern und  zur Historie bei.

Szenische Darstellung am Hexenturm.

...und hier von der anderen Seite mit Katja Möller und Jasmin Kohl in der szenischen Darstellung der Geschichte »Ännchens Angst vor der Inquisition«.
Foto: Andrea Faggiano (DANKE!)

Mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung haben die Elternbeiräte Andrea Faggiano von der Main-Limes-Realschule Obernburg und Hans Werner Hohm von der Staatlichen Realschule Elsenfeld Freya Klier, Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung in der Woche vom 6. bis 10. Februar an die drei staatlichen Realschulen nach Elsenfeld, Miltenberg und Obernburg geholt. Abschluss bildet ein Vortrag zum Thema »Diktatur und Demokratie« am Freitag, 10. Februar, ab 19 Uhr im Elsenfelder Bürgerzentrum. Er wird musikalisch von Franz Testi am Klavier umrahmt. Die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung haben Landrat Jens Marco Scherf und der Elsenfelder Bürgermeister Matthias Luxem übernommen. Heute Abend wird ihr Film »Verschleppt ans Ende der Welt« aus dem Jahr 1993 im Kino Passage in Erlenbach gezeigt. Im  Anschluss wird sie mit dem Publikum in einen Dialog treten. Leider habe ich keine Zeit, weil ich morgen Früh noch einige Texte zu liefern habe.


Nach der Führung, bevor sich Freya Klier ins goldene Buch der Stadt Obernburg eingetragen hat, habe ich ihr meinen kleinen Stadtführer »Obernburg mit langen Wimpern« geschenkt. Sie hat sich lächelnd dafür bedankt. Eine sehr herzliche Künstlerin mit einer dramatischen Vergangenheit, ohne jegliche Starallüren. Ich bin gespannt auf ihren Vortrag am Freitag.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Warum ich Tief Egon die kalte Schulter zeige

Tief Egon soll stürmischen Winterwetter bringen.

Die Wetterprognosen verlautbaren nichts Angenehmes. Tief Egon braust über den Atlantik zu uns und soll viel Schnee und Wind bescheren, der sich laut Vorhersage in den Mittelgebirgen orkanartig gebärden wird. Das lässt mich zunächst kalt, denn ich habe morgen keine beruflichen Termine. Richtig froh bin ich, dass heute die Behelfsbrücke in Eisenbach, in dem Obernburger Stadtteil abgebaut wurde, in dem ich wohne. Darüber musste ich fürs Main-Echo berichten. Das Wetter heute war prima, was auch die Bauleute antrieb und mit Arbeitseifer überzog. Die Brückenteile waren ratzfatz abgebaut und verladen.

Mit den Wettervorhersagen ist das immer so eine Sache. Eigentlich sollte es heute schon stürmen und Messern und Gabeln regnen. War aber nicht! Für mich und die Leute der Baufirma, die die Demontage vorgenommen haben, wunderbar. Es ist wenig vergnüglich zu arbeiten, wenn es kalt und nass ist und zudem noch stürmt. Mit dem Fotoapparat bei solch einem Wetter zu hantieren, bedeutet für rasende Reporterinnen eine Feuerprobe, allerdings ohne Feuer, dafür mit viel Niederschlag in Form von Wasser oder Schnee. Kamera und Regenschirm gleichzeitig zu halten, geht schon mal gar nicht. Ein Regenmantel mit Kapuze ist ohne Wind prima, aber mit Gebläse gar grausig, denn die Kapuze wird ständig heruntergeweht, auch wenn sie festgezurrt wurde. Reporterin nass, Kamera dann auch. Pfui, Reparaturen sind teuer!

Aber das war heute Gott sei Dank nicht der Fall. Alles paletti, Bericht im Kasten und schon online. Wie es auch kommen sollte, ich zeige Tief Egon die kalte Schulter, und nun, wenn Caius als Nachfolger von Egon mit Schneemassen wütet, muss ich das gelassen sehen.  Dem Wetter kann man nicht ins Handwerk pfuschen. Es kommt, wie's kommt. Allerdings sollte uns die Heftigkeit der Naturgewalten schon zum Nachdenken anregen. So ganz ohne menschlichen Einfluss ist diese Entwicklung nicht gekommen. Die Klimaveränderungen kommen nicht von ungefähr, da kann Donald Trump hundert Mal behaupten, dass dies Humbug und aus der Luft gegriffen sei. Schau'n wir mal, wie sich's Wetter und die US-Politik unter Trump entwickelt.